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Die Studienreise 2026 des Vereins Energie Zukunft Schweiz nach Kopenhagen widmete sich der Vision „Netto-Null 2035“. Neben den inspirierenden Einblicken in die wegweisende dänische Green Transition bot der intensive fachliche Austausch den Raum, innovative Lösungsansätze für die Schweiz neu zu denken.
Die Reise zeigte eindrücklich, wie die Integration von Energieinfrastruktur in den öffentlichen Lebensraum erfolgreich umgesetzt werden kann. Am Beispiel der Hafenrundfahrt mit den Stadtentwicklern von Rambøll wurde deutlich, wie bestehende Strukturen – etwa ein Schiff-Hangar – in Wohnraum umgenutzt werden können. Dieses Prinzip spiegelt sich auch bei der Kehrichtverwertungsanlage ARC wider, die mit einer Skipiste (auf Kunstrasen) auf dem Dach als öffentlicher Raum konzipiert ist und in direkter Nachbarschaft zu Wohnquartieren operiert. Parallel dazu bereitet sich Kopenhagen durch gezielten Deichbau aktiv auf den Meeresspiegelanstieg vor, was die Notwendigkeit einer vorausschauenden Klimaanpassung unterstreicht.
Ein Besuch bei State of Green eröffnete den Vereinsmitgliedern tiefgreifende Einblicke in das dänische Erfolgsmodell, das grüne Technologien als Wachstumsmarkt begreift. Dänemark demonstriert, dass ein steigendes BIP bei gleichzeitig sinkendem Energieverbrauch und reduzierten Emissionen möglich ist. Die Branche trägt bereits mit 8 % zu den Exporten bei und schafft über 107’000 Arbeitsplätze. Dieser wirtschaftliche Fokus dient als Vorbild für die Positionierung grüner Technologien in der Schweiz.
In Dänemark werden Gasnetze konsequent durch Fernwärmenetze ersetzt. Da Biogas als zu wertvoll für die einfache Haushaltsheizung angesehen wird, wird es für industrielle Hochtemperaturprozesse und zur Abdeckung von Spitzenlasten im Energiesystem reserviert. Das Fernwärmenetz bildet mit einer Anschlussdichte von über 99 % das Rückgrat der Wärmeversorgung Kopenhagens.
Wie Morten Duedahl vom Danish Board of District Energy im Rahmen eines exklusiven Treffens den angereisten Vereinsmitgliedern erläuterte, erstreckt sich der Wärmeverbund über ein weitläufiges Transmissionsnetz und operiert mit 5 KVA und 2 Biomassezentralen sowie einer wachsenden Zahl an Grosswärmepumpen. Das System nutzt dabei stets die wirtschaftlich günstigste verfügbare Quelle – bei hohen Strompreisen etwa Biomasse –, was die Fernwärme selbst für Einfamilienhäuser hochattraktiv macht. Dabei dient Biomasse lediglich als Brückentechnologie: Bis 2035 soll die Wärmepumpenleistung massiv von 15 MW auf 300 MW steigen. Praxisnahe Einblicke in diese Zukunft boten die HOFOR-Anlage SVAF (Wärme aus Abwasser und Meerwasser) sowie die Kehrichtverwertungsanlage ARC. Letztere deckt 23 % des städtischen Wärmebedarfs und beeindruckt durch ihren hohen Automationsgrad – nachts wird die gesamte Anlage von nur zwei Personen gesteuert. Mit einer Pilotanlage zur CO₂-Abscheidung (Skalierungspotenzial: 500'000 t/Jahr) markiert ARC zudem den technologischen Sprung zur aktiven Dekarbonisierung.








Als Lösung für Speicherung von CO₂ stellte Ineos den Vereinsmitgliedern das Projekt Greensand vor. Dabei wird CO₂ in alten Ölfeldern in der dänischen Nordsee versenkt.
Der inspirierende Austausch zum Projekt Greensand illustrierte, wie CCS bereits heute als praktikable Lösung für die dauerhafte Speicherung von CO₂-Emissionen dient. Dies ist für die Schweiz von hoher Relevanz: Demnächst wird das erste CO₂ einer Schweizer Biogasanlage in Baden im Greensand Projekt eingelagert. Dabei können rund 90-95 % des gelieferten CO₂ dauerhaft gespeichert werden.

Marisa Timm
Projektleitung
marisa.timm@ezs.ch