EZS-Workshop zur Ansteuerung von Endkundenflexibilitäten

Rückblick: EZS-Workshop zur Ansteuerung von Endkundenflexibilitäten

Wie steuern wir die Flexibilitäten unserer Kund:innen künftig an? Wie gestalten wir Tarife, die Netz und Kundschaft gleichermassen dienen? Und wie gehen wir mit dem wachsenden Ausgleichsenergierisiko um? Diese Fragen beschäftigen derzeit viele Energieversorgungsunternehmen (EVU). Im «Raus-aus-der-Box»-Workshop des Vereins Energie Zukunft Schweiz kamen unsere Mitglieder zusammen, um sich darüber auszutauschen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.

Unterschiedliche Ausgangslagen, gemeinsame Herausforderung

Der Workshop begann mit einem Blick in die aktuelle Forschung als Diskussionsgrundlage: Diese zeigt nämlich, dass die Herausforderungen je nach Versorgungsgebiet sehr unterschiedlich ausfallen. In ländlichen Gebieten steht das Einspeisemanagement von PV-Anlagen im Vordergrund, im urbanen Raum die Steuerung von Wärmepumpen und Elektromobilität. Genau hier liegt der Wert des Austauschs im Verein: Unsere Mitglieder bringen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen mit und können so voneinander lernen, auch wenn ihre Ausgangslagen verschieden sind.

In ländlichen Gebieten steht das Einspeisemanagement von PV-Anlagen im Vordergrund, im urbanen Raum die Steuerung von Wärmepumpen und Elektromobilität.

Entwicklung der Flexibilitätstarife: von passiven Anreizen zur aktiven Steuerung

Aufbauend auf einem Überblick über die Schweizer Landschaft der Flexibilitätstarife entwickelten die Teilnehmenden eigene Tarifmodelle für 2028 und 2033, stellten sie einander vor und diskutierten sie. Dabei wurden gemeinsame Tendenzen sichtbar. Heute setzen viele EVU noch auf Verhaltensanreize durch Preissignale oder punktuelle technische Abregelungen. Übernehmen sie künftig die aktive Steuerung der Flexibilitäten selbst, erschliessen sie entscheidende Spielräume: Verteilnetz, Energiebeschaffung und Strommarktvermarktung lassen sich so ganzheitlich optimieren und Synergien maximal nutzen. Besonders wertvoll war der offene Einblick in die Überlegungen der anderen: Warum setzt ein EVU auf einen Einheitstarif, während ein anderes bereits einen dynamischen Wahltarif plant? Solche Diskussionen helfen, die eigene Strategie zu schärfen.

Heute setzen EVU noch auf Anreize oder punktuelle Abregelungen. Steuern sie Flexibilitäten künftig aktiv selbst, erschliessen sie entscheidende Spielräume, um Verteilnetz, Beschaffung und Markt ganzheitlich zu optimieren.

Ausgleichsenergie gewinnt an Relevanz

Ein weiteres Thema unseres Workshops war die Ausgleichsenergie. Heute nutzen viele EVU noch Vollversorgungsverträge, in denen das Ausgleichsenergierisiko eingepreist ist. Der Trend bei Vorlieferanten geht jedoch klar dahin, dieses Risiko weiterzugeben. Alle Teilnehmenden waren sich einig: EVU müssen sich darauf vorbereiten, das Ausgleichsenergierisiko künftig selbst zu tragen und zu steuern. Wie gut sie darauf vorbereitet sind, ist jedoch sehr unterschiedlich. Einige managen ihre Bilanzgruppe und die Ausgleichsenergie bereits selbst, andere tragen das Risiko schon heute, verfügen aber noch nicht über das nötige Know-how, um aktiv gegenzusteuern. Im Austausch wurde deutlich, welche Wege offenstehen: weiterhin einkaufen, selbst aufbauen oder eine Zwischenlösung wählen. Erfahrungen aus der Praxis halfen, die Vor- und Nachteile einzuschätzen. Gleichzeitig zeigt sich hier ein Vorteil des Vereins: In einem gemeinsamen Projekt testen wir, wie sich Ausgleichsenergiekosten mit besseren Prognosen und Flexibilitäten senken lassen. Die Ergebnisse werden mit allen Mitgliedern geteilt, sodass nicht jedes EVU das Rad neu erfinden muss.

Ansteuerung in der Praxis

In der Gruppendiskussion zur technischen Ansteuerung berichteten die Teilnehmenden, welche Lösungen sie bei Wärmepumpen, PV-Anlagen oder Ladestationen heute einsetzen und welche Erfahrungen sie damit gemacht haben. Am weitesten verbreitet ist die zwei- oder mehrstufige Steuerung über Rundsteuerung oder Smart Meter. Grössere PV-Anlagen werden teilweise direkt über das Leitsystem eingebunden.

Flexibilität vor Ort erleben: Besuch eines Batteriespeichers

Ergänzt wurde der Austausch durch Inputs externer Partner. Die BKW stellte ihren Ansatz zur integrierten Bewirtschaftung von Flexibilität und Energie für Grosskunden mit ihrem neuen Tarifmodell Flexeny vor. Equalio gab einen Einblick in die Entwicklung des Regelenergiemarkts und die Vermarktung der Flexibilität von Batteriespeichern. Zudem diskutierten wir die neuen Vorgaben der ElCom zur Vergütung von PV-Abregelungen und ihre Auswirkungen auf bestehende Modelle. Den Abschluss bildete die Besichtigung des Batteriespeichers von Energie Opfikon der bereits im Regelenergiemarkt aktiv ist.

Fazit

Der Workshop hat einmal mehr gezeigt, was den Verein Energie Zukunft Schweiz ausmacht: Die Mitglieder stehen vor ähnlichen Herausforderungen, gehen sie aber aus unterschiedlichen Richtungen an. Im offenen Austausch teilen sie Erfahrungen und Best Practices, hinterfragen die eigenen Ansätze und entwickeln gemeinsame Lösungen. So lassen sich die Aufgaben der Energiezukunft schneller, effizienter und partnerschaftlich bewältigen.

Ihre Ansprechpartnerin

Marisa Timm

Marisa Timm

Projektleitung
marisa.timm@ezs.ch

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