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Energie Zukunft Schweiz

Klimaneutrales Immobilienportfolio bald Standard?

Mittwoch, 07. Oktober 2020

Durch die Energiewende und die Umsetzung des Pariser-Klimaabkommens kündigen sich für Inhaber von Immobilienportfolios in der Schweiz grosse Veränderungen an. Strikter werdende nationale und internationale Regulierungen, die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Immobilien und Bewegungen bei den Förderbedingungen machen so genannt «klimaneutrale» Gebäudeparks immer attraktiver. 

Energie Zukunft Schweiz AG zeigte zusammen mit dem WWF Schweiz kürzlich in einem Workshop, wie institutionelle Anleger die Chancen klimaneutraler Immobilienportfolios nutzen können.

Schnelle Dekarbonisierung durch systematischen Heizungsersatz

Aeneas Wanner, Geschäftsleiter Energie Zukunft Schweiz AG, zeigte zu Beginn, wo in der Dekarbonisierung des Schweizer Gebäudeparks derzeit der Schuh am meisten drückt: Die grössten CO₂-Emissionen entstehen klar beim Heizen. Hier setzen auch viele Massnahmen der aktuellen Schweizer Energie- und Klimapolitik an. Einerseits werden Zielquoten an erneuerbaren Heizsystemen festgelegt und Fördergelder bereitgestellt, andererseits sieht das neue CO₂-Gesetz vor, dass die Abgaben auf fossile Brennstoffe erhöht und ein Emissionsgrenzwert für Gebäude festgelegt wird.

 Parallel ist ein laufender Ausbau der Fernwärme geplant, um diese Form des erneuerbaren Heizens noch attraktiver zu machen. Diese Entwicklungen führen dazu, dass erneuerbare System in der Lifecycle-Betrachtung auch bei Sanierungen oft zur «least-cost» und «least-risk» Option werden. Laut Wanner sind deshalb «Netto Null» CO₂-Emissionen für Schweizer Immobilienportfolios durch einen systematische Heizungsersatz sowie die laufende Steigerung der Energieeffizienz bereits deutlich vor 2050 möglich und wirtschaftlich sinnvoll.

Impression Workshop EZS
Workshop

Impressionen vom Workshop «Der Weg zum klimaneutralen Immobilienportfolio»

AOA: Mit internationalen Partnerschaften zur Klimaneutralität

Marco Tormen, Senior Advisor Sustainable Finance des WWF Schweiz öffnete den Blick für eine internationale Perspektive und präsentierte die «Net-Zero Asset Owner Alliance» (AOA). Die AOA ist eine von den Vereinten Nationen einberufene internationale Gruppe institutioneller Investoren. Sie umfasst derzeit 29 Mitglieder, die ein Vermögen von total fast fünf Billionen US-Dollar verwalten. Die Mitglieder der AOA richten ihr gesamtes Anlagevermögen gemeinsam auf ein so genanntes «1,5°C-Szenario» aus und verfolgen das Ziel, bis 2050 «Netto-Null» Treibhausgasemissionen auszustossen. Dies beinhaltet unter anderem, dass auch die Immobilien im Anlageportfolio bis dann klimaneutral sind. Mitglieder der AOA sind zum Beispiel Allianz, AXA, und Zurich, welche mit Nachhaltigkeitsspezialistinnen ebenfalls am Workshop vertreten waren. 

Anschliessend erläuterte Roger Baumann, COO & Head Product Development bei Zurich Global Real Estate, warum die Zurich der AOA beigetreten ist. Baumann, ein Nachhaltigkeits-Pionier der Schweizer Immobilienszene, betonte die Wichtigkeit von Partnerschaften bei Umsetzung der Klimaneutralität. Die AOA sei eine wichtige Plattform für den Erfahrungsaustausch, zudem helfe es bei der Verankerung von ESG Kriterien im Unternehmen, wenn man sich zu ambitionierten Zielen bekennt. Roger Baumann sagte, es sei zentral, auch in Corona bedingt anspruchsvollen Zeiten beim Klimaschutz dranzubleiben. Er mache die Erfahrung, dass das Thema vielen Mitarbeitenden ein grosses Anliegen sei und ein entsprechendes Engagement sich positiv auf die Unternehmenskultur und die Performance auswirke.

Was sind Treiber und Bremsen der konkreten Umsetzung klimaneutraler Portfolios?

Als Hürden auf dem Weg vom Ziel zur konkreten Realisierung klimaneutraler Portfolios nannten die Teilnehmenden nebst der teilweise noch fehlenden unmittelbaren Wirtschaftlichkeit vor allem organisatorische Herausforderungen: fehlende Prozesse, limitiertes Know-how, mangelnde Unterstützung von Seiten des Managements. Einige der teilnehmenden Unternehmen haben diese Hürden aber bereits gemeistert. Erfolgsfaktoren waren hier interne Sensiblisierungs- und Schulungsaktiviäten und ein Management, welches bezüglich Nachhaltigkeit verbindliche Vorgaben verankert, was zu einem einem Kulturwandel beigetragen hat.

Ein mehrfach genanntes Beispiel für die Verankerung von CO₂-Zielen im Bereich der Prozesse ist die Betrachtung von Lebenszykluskosten: Im Fall der erneuerbaren Heizsysteme ergibt sich eine neue Sicht auf deren Wirtschaftlichkeit, wenn Lebenszykluskosten und -risiken betrachtet werden oder ein internes CO₂-Pricing eingeführt wird.

Jährliche Heizkosten Beispiel

Beispielvergleich der Jährlichen Heizkosten und CO2-Emissionen verschiedener Systeme

Weitere Faktoren für eine erfolgreiche Dekarbonisierung der Portfolios sind laut den Teilnehmenden Mut zu einer ambitionierten Vision – beispielsweise durch den Beitritt zur AOA – und die Erarbeitung eines konkreten CO₂-Absenkpfades auf Ebene Portfolio, der die Operationalisierung unterstützt und Planungssicherheit schafft. Bei spezialisierten Themen, lohnt es sich aus Sicht der Teilnehmenden, Expertinnen und Experten beizuziehen, die helfen, die Gebäude portfolioweit zu analysieren und die Dekarbonisierung zu planen. 

Welchen Nutzen haben Labels und Ratings in der Immobilienbranche?

Ein weiterer Schwerpunkt der Workshops war die Diskussion des Nutzens von Labels und Ratings für die Umsetzung eines klimaneutralen Portfolios. Für energetisch nachhaltige Gebäude gibt es schon lange Labels. Das Konzept des Minergie-Standards stammt aus dem Jahr 1994. Gewisse Labels haben sich als gute Indikatoren für Gebäudequalität und Werterhalt erwiesen und werden von Investoren oder auch Geschäfts-Mietern zunehmend nachgefragt.

Auf Portfolio-Ebene sticht das internationale Label «GRESB» heraus, welches von zahlreichen Teilnehmenden genutzt wird. Wie andere Labels bietet es Hilfestellung für strukturiertes Vorgehen und Qualitätssicherung bei Planung und Sanierung. Ein interessanter, mehrfach geäusserter Vorteil der Auseinandersetzung mit GRESB ist das Themenmonitoring: Der GRESB-Themenkatalog wird ständig weiterentwickelt. Dies erlaubt, sich laufend mit neuen Trends auseinanderzusetzen und das Management für «upcoming issues» zu sensibilisieren. Die Diskussion hat jedoch gezeigt, dass viele der Workshop-Teilnehmenden bezüglich Labels noch in der Findungsphase sind und bezüglich Mehrwert offene Fragen haben, speziell diejenigen, die national orientiert sind.

Eine Auswahl an Labels und Ratings für die Immobilienbranche

Eine Auswahl von Labels & Benchmarks für die Immobilienbranche

Die anwesenden Unternehmen, die Labels bereits heute schon systematisch einsetzen, gehen auf der Ebene der Einzelobjekte situativ vor. Das heisst, es wird Liegenschaft für Liegenschaft entschieden, was wo Sinn macht. Eine weitere Erkenntnis: Regelmässig wird das Know-how, das in einem Label steckt, für die Planung genutzt, das Gebäude danach aber nicht zertifiziert. Zudem waren sich die Teilnehmenden einig, dass Label helfen können, die Fachplaner zu kreativen Energie-Effizienzlösungen zu animieren.

Ihre Ansprechpartner

Kooperationspartner des Workshops

WWF

Sie brauchen einen Partner auf dem Weg zur Dekarbonisierung?

Wir sind die innovativen Macherinnen und Macher der Energiewende und begleiten Sie bei der Umsetzung Ihrer CO2-Ziele. Eine neutrale Evaluation verschiedener Heizsysteme, inklusive erwartete Kosten, Co₂-Emissionen und Fördergelder liefert die ideale Entscheidungsgrundlage für einen Heizungsersatz. Unsere Expertinnen und Experten des Wärme-Teams beraten und unterstützen Sie gerne dabei. 

CO₂-Reduktionsziele vorhanden – Umsetzung jedoch anspruchsvoll

Eine zu Beginn des Workshops durchgeführte Umfrage bei den Teilnehmenden zeigte, dass sich mehr als zwei Drittel bereits ambitionierte CO₂-Reduktionsziele gesetzt haben. Auf die Frage, wie es um die Umsetzung stehe, antwortete jedoch mehr als die Hälfte, noch nicht mit der systematischen Umsetzung der Ziele begonnen zu haben. Aus diesem Grund waren die Aktivitäten des Workshops verschiedenen Herausforderungen der Operationalisierung einer Klimastrategie gewidmet.

Förderbeiträge für klimaneutrale Heizungen

Das Förderteam von Energie Zukunft Schweiz lanciert aktuell mehrere Programme, welche beim Heizungsersatz einen grossen Teil der Investitions­kosten von erneuerbaren Heizungslösungen übernehmen. Ab sofort können Projekte mit Holzheizungen eingereicht werden, die Förderung von Wärmepumpen ist in Arbeit.

Die Rolle von Energie Zukunft Schweiz AG und WWF Schweiz

Die beiden Akteure haben sich für die Organisation dieses Workshops zusammengetan, um institutionellen Immobilieninvestoren ihren Weg zu einem klimaneutralen Portfolio zu vereinfachen. Sie stehen auch in Zukunft für Unterstützung der Immobilienbranche zur Verfügung und bringen ihr Know-How und Erfahrung aus diversen Projekten ein.